
Triebwagen 218 (ex HSB Heidelberg)
Informationen zum Fahrzeug: Werdegang, Rückholung, Wiederinbetriebnahme
Der Wagen 218 gehört zur zweiten Serie der Heidelberger sechsachsigen Zweirichtungs-Gelenktriebwagen, die 1966 von der Waggonfabrik DÜWAG gebaut wurden. Er war der erste Wagen dieser zweiten Lieferung und wurde am 24.11.1966 per Schiene am OEG-Güterbahnhof Heidelberg angeliefert. Seine Abnahme erfolgte am 25.12.1966. Mit den GT6Z erhielt Heidelberg moderne und flexible Fahrzeuge, die besonders für ein Netz mit vielen Endstellen ohne Wendeschleife wichtig waren.
In seiner Heidelberger Einsatzzeit war Tw 218 auf vielen Strecken unterwegs, die heute längst Geschichte sind. Dazu gehörten unter anderem die Verbindungen nach Wiesloch, Schwetzingen und Kirchheim sowie Fahrten durch die Heidelberger Hauptstraße. Damit steht der Wagen für eine Epoche, in der die Straßenbahn noch deutlich weiter in die Region hinausfuhr und das Stadtbild Heidelbergs auf besondere Weise prägte.
Ein Heidelberger Zweirichtungswagen
Die Heidelberger GT6Z waren klassische DÜWAG-Gelenkwagen, aber durch ihre Bauart als Zweirichtungsfahrzeuge besonders vielseitig einsetzbar. Sie konnten an Endstellen ohne Wendeschleife den Fahrtrichtungswechsel ermöglichen und waren damit ideal für das Heidelberger Netz. Für viele Fahrgäste gehörten diese Wagen über Jahrzehnte ganz selbstverständlich zum Alltag.
Der Tw 218 ist heute ein wichtiger Vertreter dieser Fahrzeuggeneration. Während viele Wagen der Baureihe nach ihrer Ausmusterung verschrottet, verkauft oder umgebaut wurden, blieb mit 218 ein Fahrzeug erhalten, das die Geschichte der Heidelberger Sechsachser wieder sichtbar machen kann. Sein Erhalt ist daher nicht nur technisch interessant, sondern auch ein Stück regionaler Erinnerungskultur.
Einsatz in Schöneiche-Rüdersdorf
Nach seiner Ausmusterung in Heidelberg im Jahr 2003 wurde Tw 218 an die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn verkauft. Dort kam er unter der Wagennummer 43 zum Einsatz und blieb noch viele Jahre im Linienverkehr unterwegs. So erhielt der Heidelberger Gelenktriebwagen ein zweites Leben fern seiner alten Heimat.
In Schöneiche bewährten sich die ehemaligen Heidelberger Wagen besonders durch ihre Zweirichtungsfähigkeit. Diese machte sie auch dort bei Baustellen, Störungen und betrieblichen Besonderheiten flexibel einsetzbar. Für Tw 218 bedeutete dieser Einsatz, dass er nicht als Museumsstück abgestellt wurde, sondern weiterhin im täglichen Fahrgastbetrieb unterwegs war.
Rückkehr in die Rhein-Neckar-Region
Nach seiner Abstellung in Schöneiche entstand bei rnv und IGN die Überlegung, den Wagen als historischen Heidelberger Sechsachser zurückzuholen. Im Sommer 2020 wurde die Übernahme konkret. Im September 2020 wurde Tw 218 in Schöneiche verladen und in die Rhein-Neckar-Region überführt.
Damit kehrte ein Fahrzeug zurück, das viele Jahre Heidelberger Nahverkehrsgeschichte mitgeschrieben hatte. Ziel ist die betriebsfähige Aufarbeitung als Museumsfahrzeug. Tw 218 soll künftig wieder an die Zeit der klassischen Heidelberger DÜWAG-Gelenkwagen erinnern und die Sammlung historischer Fahrzeuge in der Region sinnvoll ergänzen.
Aufarbeitung zum Museumsfahrzeug
Nach der Rückkehr begann die aufwendige Instandsetzung des Wagens. Im Oktober 2022 wurde Tw 218 in die Schwerpunktwerkstatt überführt. Dort wurden unter anderem Anbauteile demontiert und der Dachbereich grundlegend bearbeitet. Der vorhandene Dachaufbau war nicht mehr verwendbar und musste umfassend erneuert werden.
Auch am Wagenkasten waren zahlreiche Arbeiten notwendig. Scheiben und Türen wurden ausgebaut, Schweißarbeiten durchgeführt und die Karosserie für die Lackierung vorbereitet. Im August 2023 erstrahlte der Wagen wieder in seiner originalen Heidelberger Lackierung. Damit erhielt Tw 218 sein vertrautes HSB-Erscheinungsbild zurück.
In den folgenden Monaten wurden weitere technische und optische Arbeiten durchgeführt. Dazu gehörten unter anderem Arbeiten an der Beleuchtung, an elektrischen Leitungen auf dem Dach, an Widerständen, Verkleidungen und weiteren Bauteilen. Nach elektrischen Messungen konnte der Wagen erstmals seit 2003 wieder aus eigener Kraft auf dem Betriebshof bewegt werden.
Aktuell befindet sich Tw 218 weiterhin in Aufarbeitung. Unter anderem werden noch Kabel für Weichensteuerung und INDUSI verlegt. Auch der Fahrgastraum ist noch nicht vollständig saniert. Ziel bleibt jedoch, den Wagen wieder betriebsfähig herzurichten und ihn künftig als historischen Heidelberger Gelenktriebwagen einsetzen zu können.
Ein Stück Heidelberg auf sechs Achsen
Mit Tw 218 kehrt ein Fahrzeug zurück, das gleich mehrere Kapitel Nahverkehrsgeschichte verbindet. Er steht für das frühere Heidelberger Straßenbahnnetz, für die Zeit der klassischen DÜWAG-Gelenkwagen und für ein zweites langes Betriebsleben in Schöneiche-Rüdersdorf. Seine Aufarbeitung macht sichtbar, wie viel ehrenamtliches Engagement nötig ist, um historische Fahrzeuge nicht nur zu bewahren, sondern wieder erlebbar zu machen.
Als Museumsfahrzeug ergänzt Tw 218 die historische Sammlung der IGN um einen echten Heidelberger Sechsachser. Zusammen mit den weiteren Fahrzeugen des Vereins erzählt er die Geschichte des Nahverkehrs in der Rhein-Neckar-Region aus einer weiteren Perspektive. Wenn seine Aufarbeitung abgeschlossen ist, wird er wieder zeigen können, warum diese Wagen für viele Menschen bis heute unvergessen sind.
Technische Daten
- Fahrzeugtyp: Zweirichtungsgelenktriebwagen
- Bauart: GT6Z
- Hersteller: Waggonfabrik Düsseldorf (DÜWAG)
- Baujahr: 1966
- Anlieferung in Heidelberg: 24.11.1966
- Achsen: 6
- Einsatzbetrieb ursprünglich: Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG
- spätere Betriebsnummer in Schöneiche-Rüdersdorf: 43
- Ausmusterung in Heidelberg: 2003
- Einsatz in Schöneiche-Rüdersdorf: 2003 bis 2019
- Rückkehr in die Rhein-Neckar-Region: 2020
- Status: in Aufarbeitung als historisches Museumsfahrzeug

